Fünfter parlamentarischer Abend

Begleitet von einem angenehm sommerlichen Wetter richtete die Ärztekammer Sachsen-Anhalt gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt (KVSA) am 15. August bereits zum fünften Mal ihre parlamentarische Begegnung „Grillen bei Doctor Eisenbarth“ aus.

„Die diesjährige Begegnung steht ganz im Zeichen der Krebserkrankungen und der damit verbundenen Herausforderungen für Sachsen-Anhalt“, erklärte die Präsidentin der Ärztekammer Dr. Simone Heinemann-Meerz den zahlreichen Gästen in ihrer Begrüßungsrede, die sie auch zum Anlass nahm, auf tagesaktuelle Themen einzugehen. Dass das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz durch kleinteilige Regelungen den niedergelassenen Kollegen ihre Terminvergabe vorschreiben wolle, lasse den Respekt vor Freiberuflern vermissen. Positiv nimmt die Ärzteschaft jedoch wahr, dass eine geforderte Mehrarbeit zumindest mit einer höheren Vergütung einhergehen soll. „Ich habe Zweifel, dass die Umsetzung gelingt und eine ausreichende Vergütung aller Fachgruppen wirklich am Ende umgesetzt wird“, so die Präsidentin.

Besorgt nahm sie auch die Arzneimittelversorgung in den Blick. Inzwischen kommen 80 Prozent der Arzneistoffe aus dem Ausland. Eine ganze Branche habe sich darauf spezialisiert, Medikamente in Europa zu versenden und teilweise umzuetikettieren. „Bitte hören Sie mit den unsäglichen Rabattverträgen auf, die unter dem Strich keine Ersparnisse erbringen“, richtete die Präsidentin ihre Forderung an die anwesenden Vertreter der Krankenkassen.

Impressionen vom parlamentarischen Abend der Ärztekammer Sachsen-Anhalt – „Grillen bei Doctor Eisenbarth“ in Magdeburg

„Geiz ist nicht geil“

„Die letzte Grippewelle hat gezeigt, dass Geiz nicht geil ist. Geiz tödlich sein kann. Wider besseres Wissen und unter den Augen der Aufsichtsbehörde sollte sich so etwas nicht wiederholen können“, forderte die Kammerpräsidentin, die noch auf weitere Themen einging, bevor der Vorstandsvorsitzende der KVSA, Dr. Burkhard John, Worte an die Gäste richtete.

Dabei zeigte er sich ebenfalls skeptisch gegenüber den geplanten Gesetzesvorhaben. So stimme ihn das neue Credo des Bundesministers „mehr Geld für mehr Leistung“ vorsichtig optimistisch. Dieser Optimismus sei in den aktuell geführten Vergütungsverhandlungen jedoch schon verblasst, da in diesen eine Leistungssteigerung von gerade 0,2 Prozent in Aussicht gestellt wurde. Es bleibt daher abzuwarten, welche Resultate die Gesetzesvorschläge mit sich bringen werden. Eine Entbudgetierung werde diese jedoch sicher nicht bringen, auch wenn diese in Zeiten der sogenannten Ärzteschwemme eingeführt worden waren und somit ihre mögliche Berechtigung längst verloren haben.

Neben vielen Bundes- und Landtagsabgeordneten aus den Fraktionen suchte in diesem Jahr auch der Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen-Anhalt, Prof. Dr. Armin Willingmann, den Kontakt zu den sachsen-anhaltischen Ärztinnen und Ärzten. Er übermittelte zunächst die Grüße des Ministerpräsidenten, der an diesem Abend anderweitig gebunden war.

Als Wissenschaftsminister erinnerte er daran, dass vor fünf Jahren eine Diskussion über die Notwendigkeit von zwei medizinischen Hochschulstandorten entbrannt war. Diese sei zum Glück mit einem klaren Bekenntnis für beide Universitätsstandorte beendet worden. Heute sei man sich der Verantwortung und der damit verbundenen Verpflichtung zur finanziellen Ausgestaltung bewusst. Nur so kann eine leistungs- und zukunftsfähige Ausstattung gewährleistet werden. Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro seien daher aktuell bewilligt worden.

Im Hinblick auf die im Land geplante Landarztquote erläuterte Prof. Willingmann, dass lediglich die Erhöhung der Studienplatzzahlen ohne die Möglichkeit einer Steuerung keine entsprechenden Effekte zeigen würde. Daher werde noch bis zum Spätsommer eine Kabinettsvorlage für eine Landarztquote erstellt. Diese soll eine Anzahl von Medizinstudienplätzen an die spätere Tätigkeit im ländlichen Raum in Sachsen-Anhalt binden können. Man habe auch aus Fehlern der Vergangenheit gelernt und wisse nun, dass die Entscheidung für Sachsen-Anhalt als zukünftiger Arbeits- und Wohnort in erster Linie mit der Attraktivität des Landes einhergehe. So habe man sich davon verabschiedet, Sachsen-Anhalt zu einem Spar- und Billiglohnland zu entwickeln und dabei Faktoren wie Bildung und Kultur zu vernachlässigen.

 

Bundesweite Entwicklungen aktiv mitgestalten

In seinem Impulsvortrag ging Honorarprofessor Dr. Edgar Strauch auf das Klinische Krebsregister und deren zukünftige Rolle im Gesundheitswesen ein. Der Geschäftsführer der Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt gGmbH betonte, dass Klinische Krebsregister durchaus eine Rolle in der Diskussion um ergebnisorientierte Vergütung im Gesundheitswesen spielen könnten, wenn sie mittelfristig belastbare und zeitgemäße Daten zum Ergebnis und der Qualität der Behandlung von Tumorpatienten liefern. Denn das ist durchaus einer der Gründe, als einzelner Arzt oder Gesundheitseinrichtung der gesetzlichen Meldepflicht nachzukommen. Hiermit wird die Qualität der eigenen Arbeit dokumentiert. Er hielt fest: „Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung, der heutige Datensatz der Klinischen Krebsregister lässt erste valide Auswertungen zu. In wenigen Jahren wird es im Datensatz jedoch erhebliche Veränderungen geben, die dann detaillierte Auswertungen ermöglichen. Umso wichtiger ist es, diese Entwicklung mit ärztlichem und klinischem Sachverstand zu begleiten.“

Das Klinische Krebsregister Sachsen-Anhalt sucht den Kontakt und Dialog mit den behandelnden Ärzten in Sachsen-Anhalt. Vor dem Hintergrund, dass es sich aktiv in die bundesweiten Gremien zur Weiterentwicklung der Krebsregistrierung einbringen wird, resümierte dessen Geschäftsführer: „Wir wollen zum fairen Partner der Melder in unserem Land werden und bundesweite Entwicklungen mitgestalten. Viel Arbeit liegt vor uns.“

 

Fotos: ÄKSA

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